{"id":2114,"date":"2024-10-01T17:07:35","date_gmt":"2024-10-01T17:07:35","guid":{"rendered":"https:\/\/epicentre.nursing.unibas.ch\/insights-into-ethnographic-fieldwork-in-a-nursing-home\/"},"modified":"2025-07-30T15:55:50","modified_gmt":"2025-07-30T15:55:50","slug":"insights-into-ethnographic-fieldwork-in-a-nursing-home","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/epicentre.nursing.unibas.ch\/en\/insights-into-ethnographic-fieldwork-in-a-nursing-home\/","title":{"rendered":"Insights into ethnographic fieldwork in a nursing home"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Sommer 2024 konnten wir w\u00e4hrend jeweils <a>vier Wochen <\/a>in zwei Alters- und Pflegeheimen in Basel-Stadt unsere erste ethnographische Feldforschung durchf\u00fchren. Uns leitete die Fragestellung: <strong>Was bedeutet \u2018Partizipation\u2019 in Bezug auf Bewohner:innen von Alters- und Pflegeheimen?<\/strong> Was verbinden Bewohner:innen, Angeh\u00f6rige und verschiedene Fachpersonen mit dem Begriff? Wann, wo, wie, mit und durch wen wird \u2018Partizipation\u2019 praktiziert? Oder auch nicht \u2013 und warum?<\/p>\n\n<p>Durch den <a><strong>ethnographischen Forschungsansatz<\/strong><\/a> konnten wir uns dem weit gefassten Begriff \u2018Partizipation\u2019 m\u00f6glichst offen ann\u00e4hern. So wollten wir \u2018Partizipation\u2019 nicht im Voraus definieren, sondern von Bewohner:innen der Alters- und Pflegeheime, von ihren Angeh\u00f6rigen und von verschiedenen Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4ften erfahren, was der Begriff f\u00fcr sie bedeutet.<\/p>\n\n<p>Hauptmethoden der ethnographischen Feldforschung sind unter anderem Beobachtungen, informelle Gespr\u00e4che und Interviews. Wie das folgende Beispiel zeigt, erlaubt der ethnographische Ansatz, die Forschung unmittelbar im Lebens- und Arbeitsalltag im Alters- und Pflegeheim <a>einzuf\u00fcgen<\/a> und auch Menschen mit Demenz in der Forschung miteinzubeziehen.<\/p>\n\n<p><em>An einem sonnigen Donnerstag Mitte Juni findet in einem Alters- und Pflegeheim \u00fcber Mittag ein Grillfest statt. Im Erdgeschoss mit direktem Zugang zum Garten sitzen an zwei grossen Tischen etwa 15 Bewohner:innen zusammen mit Pflegefachpersonen, Fachpersonen der Aktivierung und Alltagsgestaltung, einem Zivildienstleistenden und zwei Angeh\u00f6rigen beim Essen. Die Stimmung wirkt fr\u00f6hlich, entspannt, aber nicht laut und ausgelassen; es wird nicht viel geredet, es l\u00e4uft Schlagermusik, zu welcher vor allem einzelne Fachpersonen immer wieder mitsingen und -tanzen. Es sind fast alle Bewohner:innen der Wohngruppe anwesend, auch solche, denen es gesundheitlich in dem Moment weniger gut geht. Das Essen scheint allen zu schmecken. Es gibt Diverses vom Grill, Salate und Dessert und die Fachpersonen und Angeh\u00f6rigen helfen den Bewohner:innen, ihr Essen zusammenzustellen. Da die meisten von ihnen mit einer Form von kognitiver Einschr\u00e4nkung leben, werden sie bei der Auswahl unterst\u00fctzt, indem die Fachpersonen und Angeh\u00f6rigen ihnen die zur Auswahl stehenden Optionen zeigen und teilweise auch Vorschl\u00e4ge machen. Wer selbstst\u00e4ndig essen kann, tut das, bei anderen Bewohner:innen setzen sich Fachpersonen dazu und helfen Ihnen beim Essen. Zweimal sehen wir auch, wie sich Bewohner:innen gegenseitig beim Essen helfen.<\/em><\/p>\n\n<p><em>In der K\u00fcche auf den jeweiligen Wohnbereichen, wo normalerweise gegessen wird, dauert das Essen deutlich weniger lange; Viele Bewohner:innen mit Demenz haben einen sehr starken Bewegungsdrang, werden schnell unruhig und gehen aus der K\u00fcche. Am Grillfest aber f\u00e4llt auf, dass die Gruppe beisammen bleibt, die Bewohner:innen ruhig und zufrieden wirken und lange sitzen bleiben.<\/em><\/p>\n\n<p>An diesem Beispiel lassen sich verschiedene Aspekte illustrieren, die uns w\u00e4hrend der Feldforschung mit Bewohner:innen, ihren Angeh\u00f6rigen und verschiedenen Fachpersonen vermehrt begegnet sind<a>. Auf einen Aspekt<\/a> m\u00f6chte ich im Folgenden vertiefter eingehen:<\/p>\n\n<p>Die Frage, was \u2018Partizipation\u2019 sei, wurde von den Forschungsteilnehmenden meistens direkt mit physisch bei etwas dabei sein, wie beispielsweise einer Aktivit\u00e4t wie dem Grillfest, in Verbindung gebracht. <strong>Von den Fachpersonen wurde sehr viel Aufwand betrieben<\/strong>, damit alle alle Bewohner:innen der Wohngruppe am Grillfest dabei sein k\u00f6nnen, auch die, die sehr krank sind, nicht mehr lange sitzen und nicht mehr selbstst\u00e4ndig essen k\u00f6nnen. In einem Interview beschrieb eine Fachperson \u2018Partizipation\u2019 von Bewohner:innen als \u201c[s]<em>ich beteiligen k\u00f6nnen. (&#8230;) Ein Teil von einem Ganzen Sein. [\u2026] Sei es eine Lebensgemeinschaft, (..) eine Wohngruppe, (..) ein Teil in einer kleinen Gesellschaft, die seinen Wert hat, egal was, (.) wie, wo, Kognition oder das k\u00f6rperliche Befinden, egal.<\/em>\u201d <a>(I<\/a>nterview Fachperson Aktivierung und Alltagsgestaltung, Juni 2024). Wie lange die Bewohner:innen an der kleinen Gesellschaft teilnehmen wollten und ob sie sich dabei <strong>aktiv beteiligten<\/strong> oder nicht, spiele keine Rolle; denn bei diesem Dabeisein gehe es prim\u00e4r darum, <strong>Teil einer Gemeinschaft<\/strong> zu sein. Eine andere Fachperson beschrieb es so: <em>\u201c[W]ie ist es zu Hause [beim Kochen]? Es gibt auch nur vier oder f\u00fcnf, die etwas machen. Der Rest bleibt dabei und f\u00e4ngt an zu reden. Oder schaut zu. Das ist das Wir-Gef\u00fchl. Das muss verst\u00e4rkt werden. Es ist nicht schlimm, wenn nicht alle schnippeln k\u00f6nnen. Dann ist es nicht traurig. Aber ich bin dabei. Es ist wie zu Hause.\u201d<\/em> (Interview Fachperson Aktivierung und Alltagsgestaltung, Juni 2024)<\/p>\n\n<p><strong>B<\/strong><strong>esondere Anl\u00e4sse<\/strong> wie das Grillfest, Geburtstags- oder Weihnachtsfeiern verm\u00f6gen es Fachpersonen immer wieder zum Staunen zu bringen: es scheint, als w\u00fcrden auch schwer erkrankte Bewohner:innen wieder tempor\u00e4r Teile ihrer fr\u00fcheren k\u00f6rperlichen und kognitiven F\u00e4higkeiten zur\u00fcckerlangen; so essen sie zum Beispiel teilweise auch komplett selbstst\u00e4ndig und auch gr\u00f6ssere Mengen als sonst oder freuen sich darauf, beim Decken des Tisches mitzuhelfen, eine Aufgabe, die sie im sonstigen Alltag oft nicht mehr in Angriff nehmen wollen: \u00abWenn ich ein Geburtstagsfest habe<a><\/a>. Goldrandgeschirr.<a><\/a> Das geht.<a><\/a> Ich bin immer fasziniert.<a><\/a> Da ist die Gabel am rechten Ort.<a><\/a> \u2026 Da ist die Gabel.<a><\/a> Da brauchen wir keinen L\u00f6ffel.<a><\/a> Da ist die Erinnerung noch stark.\u00bb (Interview Pflegefachperson, Juni 2024)<\/p>\n\n<p>Was k\u00f6nnen wir von solchen besonderen Anl\u00e4ssen wie dem Grillfest f\u00fcr unsere Forschung lernen? Unsere Forschungsteilnehmenden verstehen \u2018Partizipation\u2019 als einen sehr vielseitigen Begriff. Teil einer Gemeinschaft zu sein sehen sie im Kontext von Pflegeheimbewohner:innen als eines der Kernelemente von \u2018Partizipation\u2019. Anhand des Grillfests zeigte sich Partizipation zum Beispiel daran, wie die Bewohner:innen, Angeh\u00f6rigen und verschiedene Fachpersonen zusammenarbeiteten, um die Teilnahme an diesem Anlass auch sehr kranken Menschen zu erm\u00f6glichen. Uns stellt sich die Frage, wie es auch im Alltag, ausserhalb von solchen speziellen Anl\u00e4ssen gelingen kann, den Bewohner:innen zu erm\u00f6glichen Teil einer Gemeinschaft zu sein? Solche und weitere Fragen rund um das Thema Partizipation von Menschen in Alters- und Pflegeheimen werden uns die kommenden 4 Jahre begleiten, und wir freuen uns darauf, gemeinsam mit den Bewohner:innnen, den Angeh\u00f6rigen und den Fachpersonen in den Alters- und Pflegeheimen nach Antworten zu suchen. <\/p>\n\n<p><a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sommer 2024 konnten wir w\u00e4hrend jeweils vier Wochen in zwei Alters- und Pflegeheimen in Basel-Stadt unsere erste ethnographische Feldforschung durchf\u00fchren. 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