Ein Forschungsprojekt des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität Basel

Vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit, zum ersten Mal ein Betreutes Wohnen (Assisted Living) und Independent Living in Portland, Oregon, zu besuchen – und dabei einige Unterschiede zu den Formen von Assisted Living zu beobachten, die ich aus meiner Forschung im EPICENTRE-PARTICIPATIO Projekt in der Schweiz kenne.

Gemeinsam mit meiner Supervisorin Paula Carder konnte ich einen Einblick in den Alltag von Bewohnenden und in die Organisation von Assisted Living (AL) gewinnen. Durch die Gestaltung der Wohnräume und Einbettung von Dienstleistungen wird eine bestimmte Vorstellung davon sichtbar, was AL im US-Kontext bedeuten kann.

Die Wohnbereiche der Bewohnenden bieten Platz zum Schlafen, ein kleines Wohnzimmer und ein eigenes Badezimmer. Ergänzt wird dieser private Raum durch eine kleine ‘Kitchenette’ – ohne Herd oder Ofen. Die Mahlzeiten werden von den meisten in einem gemeinschaftlichen Aufenthaltsraum eingenommen, wo an mehreren Tischen verteilt, bereits Tischsets und Besteck gedeckt sind für die nächste Mahlzeit. Nebenan gibt es einen weiteren Raum, der an ein Wohnzimmer erinnert und als Aufenthalts- und Begegnungsort dient.

Die Pflege ist räumlich und organisatorisch anders in den AL Alltag eingebunden, als ich es aus meinem Schweizer Forschungsfeld kenne. Die Anwesenheit einer Pflegefachperson und die Sichtbarkeit von pflegerischen Alltagsobjekten machen deutlich, dass die Dienstleistungen über Unterstützung bei Aktivitäten des täglichen Lebens und die Bereitstellung von Mahlzeiten hinausgehen und medizinische und pflegerische Versorgung stark in den Alltag der Bewohner integriert ist.

Im Gespräch mit einer Leitungsperson wurde zudem deutlich, dass diese Form der Versorgung eng mit staatlicher Regulierung und spezifischen Lizenzierungsanforderungen verbunden ist.

Ich sehe in den Räumen die enge Verbindung zwischen Wohnen und institutionell organisierter Versorgung, wobei die Grenzen zwischen ‘privat Wohnen’ und ‘versorgt werden’ nicht einfach als aufgehoben, sondern räumlich und organisatorisch anders gestaltet, verstanden werden sollten.

Assisted Living bezeichnet nicht überall dasselbe. Wie gewohnt, gepflegt und versorgt wird, wie Privatheit und Gemeinschaft räumlich organisiert werden und welche Rolle Teilnahme und Teilhabe im Alltag einnimmt, entsteht unter anderem innerhalb spezifischer organisatorischer und regulatorischer Kontexte.

Ich freue mich sehr darauf, während meines Forschungsaufenthaltes am Institute on Aging an der Portland State University weiter zu beobachten, lernen und mich mit Kolleginnen auszutauschen, wie unterschiedliche Vorstellungen von Wohnen, Pflege und Partizipation in Assisted Living Gestalt annehmen.

Zum LinkedIn Beitrag in Englisch von Katja Jungo